Wie lernt eine Katze? (Teil 2)

Eingestellt am Jul 15 2017 - 8:00am von Feliway

Weiter geht es mit unserer Blog-Serie über die Erziehung von Katzen. Dass die Vierbeiner sehr neu- und lernbegierig sind, steht außer Frage. Doch wie lernen Katzen?

Zunächst ist es wie bei uns Menschen auch: Es gibt vielerlei Voraussetzungen, die das Lernverhalten und die Lernfähigkeit einer Katze beeinflussen. Grob gesagt bedingen äußere Einflüsse und das, was die Eltern und Großeltern ihnen genetisch mitgeben, die Persönlichkeit und somit das individuelle Lernverhalten der Stubentiger. Nicht jede Katze lässt sich mit Leckerli locken oder ist an ausdauernden Jagdspielen interessiert. Einige lernen sehr schnell, andere dafür etwas langsamer, weil sie vielleicht einfach ein bisschen fauler sind als andere Katzen. Hier spielt auch der Genpool bzw. die Rasse eine große Rolle, deren individuelle Charaktereigenschaften dann ein Stück weit bei jedem Katzenkind angeboren sind. Und wichtig sind natürlich für die Persönlichkeitsentfaltung auch die ersten Lebenswochen sowie das, was dem Nachwuchs durch die Mutter und vielleicht auch schon durch uns Menschen beigebracht wird.

Die Entwicklung beginnt im Mutterleib

Auch hier gleichen die Umstände denen von uns Menschen. Bereits während der Trächtigkeit wirken auf die Katzenbabies äußere Einflüsse ein. Führt die Katzenmutter ein sehr entspanntes, stressfreies Leben, prägt das auch den Nachwuchs anders, als wenn die Mutter großem Stress ausgesetzt ist und beispielsweise als Straßenkatze leben und jeden Tag um ihr Überleben kämpfen muss – ohne großen Kontakt zu Menschen oder schlechte Erfahrungen mit selbigem.

Sind die Kätzchen dann auf der Welt geht die Prägung durch äußere Einflüsse weiter und bestimmt das komplette Leben einer Katze. So kommt es beispielsweise zu dem Umstand, dass halb wild auf Bauernhöfen geborene Kätzchen ohne innigen Kontakt zum Menschen oftmals überhaupt nicht damit zurechtkommen, wenn sie zu einer Familie in eine Wohnung ohne Freigang umziehen. Gerade in dieser sensiblen Prägungs- und Sozialisationsphase der ersten Lebenswochen werden die Weichen für das restliche Leben gestellt. Komplett neu stellen lassen diese sich bei erwachsenen Katzen nur schwer oder gar nicht.

Steht also schon fest, dass das Katzenkind später in einer Familie leben soll, so ist es immens wichtig, bereits in dieser frühen Phase die Voraussetzungen dafür zu schaffen und möglichst viel Kontakt und positive Erfahrungen mit Menschen zu vermitteln. Ist diesbezüglich schon ein Grundvertrauen vorhanden, was gleichzeitig auch das Stresslevel senkt, erleichtert das nicht nur den Umzug in die Menschenfamilie, sondern bildet eine gute Basis, um ein enges Zusammenleben zu ermöglichen, in dem die Katze begeistert und gerne mit ihren Menschen lernt und lebt.

Je nach Umfeld, in das das Katzenkind dann umziehen wird, sollte man auch auswählen, welches die richtige Katze ist. Wichtig sind vor allem Offenheit und Freundlichkeit gegenüber uns Menschen. Auch wenn nicht jedes Kitten gleich sehr selbstbewusst auf uns zurennt, sollte es trotzdem nicht in einen Verteidigungsmodus verfallen, sobald ihr Kontakt zu ihm aufnehmt. Selbiges gilt auch für schon größere Katzen aus dem Tierheim. Natürlich spricht auch nichts dagegen, einer eher nicht so gut sozialisierten Katze ein Zuhause zu geben. Die Chance ist allerdings dann recht groß, dass der Vierbeiner nicht zu einem verschmusten Kuschelkätzchen wird.

Ein Praxistipp:

Eine kleine Übung, um zu sehen, ob das von euch gewählte Kitten mit Menschen kompatibel ist, ist die Fixierung an der Nackenfalte. Hierbei nehmt ihr das Katzenkind mit zwei oder drei Fingern  in der Nackenfalte und hebt es so ein wenig an. Diesen Griff nutzt die Katzenmutter zum Transport und das Katzenkind wird ihn sich auch von euch gefallen lassen, so es denn gelernt hat, dass Menschen nichts Böses sind. Reagiert die Katze mit Gegenwehr, stehen die Chancen hoch, dass nur mit viel Erziehungsarbeit ein entspanntes Zusammenleben mit euch möglich sein wird.

Viele weitere (Praxis-)Tipps für die Auswahl des Stubentigers, der für euch der Richtige ist, findet ihr im Buch „Katzenkindergarten“ und auch das Thema Lernen wird dort noch einmal intensiv vertieft.


Sabine-Schroll Foto: Sabine Schroll

Die Beitragsserie entstand in Zusammenarbeit mit Sabine Schroll, Tierärztin mit Spezialisierung auf Verhaltensmedizin, arbeitet in einer reinen Katzenpraxis in Österreich.

Website // Zum Buch „Katzenkindergarten“

 

Schreibe einen Kommentar

*