Teil 6: Streit zwischen Katzen – Was tun?

Eingestellt am Aug 11 2016 - 6:00pm von Feliway

Gibt es Streit zwischen euren Stubentigern? Dann wird es Zeit zu handeln. Bei uns in den Kommentaren taucht relativ oft der Satz „Die machen das schon unter sich aus.“ auf. Das ist bei Katzen allerdings nicht wirklich so. Durch das fehlende Rudelverhalten und die dadurch fehlenden Konfliktlösungsstrategien werden bestehende Konflikte bei Vierbeinern, die sich nicht aus dem Weg gehen können, sehr oft noch verstärkt. Und je länger diese Situation zwischen den Katzen besteht, desto schwieriger wird es, sie wieder zu lösen.

Abraten möchten wir gleich vorweg von Bestrafungsmaßnahmen wie Schimpfen, Wasserpistolen oder gar körperliche Bestrafungen. Diese heizen den Konflikt in der Regel noch mehr auf und sind daher sehr kontraproduktiv, um wieder Ruhe in die Gruppe zu bringen.

Mehrkatzenhaushalt-8

Foto: Sabine Schroll

Erste Schritte

Den Vierbeiner durchchecken lassen

Ganz wichtig – und das, was wir auch bei konkreten Anfragen eurerseits immer zuerst raten: Der Gang zum Tierarzt. Wenn es uns nicht gut geht, sind wir auch unleidlich und leicht reizbar. Bei den Stubentigern ist das nicht anders und sie möchten entweder ihre Ruhe und ziehen sich deshalb zurück, oder sie werden ebenso reizbar wie wir. Andere Katzen im Haushalt beginnen dann nicht selten, diese Schwäche auszunutzen.

Der Einsatz von Pheromonen

FELIWAY® wurde unter anderem für dieses Einsatzgebiet entwickelt. Für den Einsatz bei Konflikten empfehlen wir  FELIWAY® FRIENDS, welches eine synthetische Kopie des Cat Appeasing Pheromons (C.A.P.) ist. In der Natur gibt die Katzenmutter das Katzen-Beruhigungspheromon über die Gesäugeleiste an ihre Katzenwelpen ab. Das Pheromon hat eine sehr besänftigende Wirkung auf den Nachwuchs und hilft damit den sozialen Zusammenhalt zwischen den Katzenbabys und der Katzenmutter zu stärken. Da dieser Effekt auch bei erwachsenen Katzen auftritt, reduziert  FELIWAY® FRIENDS signifikant die Intensität und Häufigkeit von Spannungen zwischen zusammenlebenden Katzen und hilft so, die Konflikte zu beseitigen, auch wenn sie schon länger bestehen. Den genauen Unterschied und die Einsatzgebiete von  FELIWAY® FRIENDS und FELIWAY® CLASSIC haben wir euch in diesem Beitrag noch einmal aufgeschrieben.

FELIWAY® ist natürlich nur unterstützend einzusetzen. Das Ressourcenmanagement und grundsätzliche Ursachen für die Konflikte solltet ihr parallel dazu angehen und optimieren bzw. beseitigen.

Konfliktlösungsstrategien

Entschärfung durch Beschäftigung

Mit gezielter Beschäftigung der Vierbeiner kann man den Konflikten entgegenwirken. Der passiven Katze kann man mit Jagdspielen, die ungestört nur mit ihr durchgeführt werden, wieder zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen, was gleichzeitig den Effekt hat, dass sie ihren Bewegungsradius wieder vergrößert und die ihr angebotene Wohnungsfläche wieder mehr nutzt.

Die mobbende Katze wiederum sollte man dazu bringen, ihre Aktivität und Aufmerksamkeit von der anderen Katze abzulenken. Dies geht gut durch aktive Beschäftigung wie Clickertraining, Intelligenzspiele oder andere interaktive Beschäftigungen. Positive Verstärkung ist in jedem Fall wichtig.

Sind beide Katzen für ihr jeweiliges Spiel zu begeistern, kann man dies parallel mit beiden in einem Raum probieren, um wieder mehr Sicherheit bei gegenseitiger Anwesenheit zu vermitteln. Die Wirkungsweise des Clickertrainings kann außerdem dazu genutzt werden, um die Vierbeiner im Miteinander zu bestärken, so dieses denn positiv verläuft, und der mobbenden Katze Alternativangebote zu ihrem unerwünschten Verhalten zu bieten. Ähnlich funktioniert dies auch bei Hunden.

Mehrkatzenhaushalt-17

Foto: Sabine Schroll

Vorübergehende Trennung und erneute Zusammenführung

Eskaliert das Verhalten der Stubentiger, kann eine vorübergehende (räumliche) Trennung sinnvoll sein, um den Konflikt zu deeskalieren und die Beziehung neu aufzubauen. Nach einigen Tage Ruhe sollte das erneute Aufeinandertreffen nur unter Aufsicht stattfinden und es darf kein Angriff der mobbenden Katze stattfinden, da dies die angegriffene Katze sofort wieder in ihre Angsthaltung zurückwerfen würde. Hier hilft es, die angreifende Katze durch Geschirr und eine Leine zu sichern. Dies muss natürlich vorher trainiert werden, damit sie die Sicherung als normal empfindet.

Unterstützung durch den Tierarzt

In manchen Fällen kann es hilfreich sein, in Absprache mit dem Tierarzt die Katzen medikamentös oder homöopathisch zu unterstützen. Hier ist es möglich, unsicheren Katzen zu mehr Selbstbewusstsein oder überaktiven Katzen zu mehr Entspannung zu verhelfen. Das Ganze kann über eine Verabreichung mit dem Futter geschehen und sollte zwingend kontrolliert durch den Tierarzt eures Vertrauens stattfinden.

Erweiterung oder Reduzierung der Katzengruppe

Einen solchen Schritt muss man sich ganz genau überlegen und vorher gut planen. Bei der Erweiterung der Katzengruppe sollte auch immer die Möglichkeit bestehen, den Schritt rückgängig zu machen, sollte es gar nicht klappen. Ansonsten kann dies aber eine Option sein, um Ruhe in die Katzengruppe zu bringen, in der es durch zu unterschiedliche Charaktere zu Konflikten kommt. Das kann beispielsweise der Altersunterschied sein. So verlockend es ist, einer alten Katze einen wilden, niedlichen Jungspund an die Seite zu stellen, so problematisch kann diese Beziehung werden, wenn die Altkatze durch den Nachwuchs ohne böse Absicht genervt wird und dann aggressiv oder mit Rückzug reagiert. Hat die Jungkatze hingegen einen Spielkameraden, der etwa gleich alt und entsprechend aktiv ist, ist die Chance groß, dass sich das Ungleichgewicht ausgleicht und die Altkatze sogar wieder etwas Freude daran findet, sich ab und an mit den Jungkatzen zu beschäftigen. Voraussetzung ist also für so ein Dreiergespann immer, dass zwei Katzen charakterlich sehr harmonieren – im besten Falle die beiden aktiveren, um sich gegenseitig aus- und den ruhigeren Gefährten zu entlasten.

Die Reduzierung der Katzengruppe um eine Katze kann ebenfalls eine Lösung sein, sollte aber nur angestrebt werden, wenn wirklich gar nichts sonst hilft. Davon abgesehen, dass sicher jeder sehr an seinen Tieren hängt, kann es bei größeren Katzengruppen sonst passieren, dass das nächste Mobbing-Opfer in der Gruppe auserkoren wird. Vorher sollten – eventuell auch mit einem Verhaltenstierarzt – oben genannte Maßnahmen und auch eine zeitweise Trennung und Neuzusammenführung versucht werden.

Zu den anderen Artikeln der Reihe “ Streit zwischen Katzen“

Teil 1: Wer passt zu wem?

Teil 2: Die optimale Zusammenführung

Teil 3: Ausdrucksverhalten bei Konflikten

Teil 4: Freunde oder Rivalen? Verhalten deuten bei Katzen

Teil 5: Mit genügend Ressourcen im Revier Konflikten vorbeugen

Teil 6: Streit zwischen Katzen – Was tun?


Unser neues Produkt für mehr Harmonie im Mehrkatzenhaushalt: FELIWAY® FRIENDS
Weitere Infos zur neuen Handelsform findet ihr auf unserer Website: www.feliway.com/de/Neu-FELIWAY-Friends

Sabine-Schroll

Foto: Kronenzeitung / Chris Koller

Die Beitragsserie entstand in Zusammenarbeit mit Sabine Schroll, geboren 1964, hat in Wien Tiermedizin studiert und betreibt seit 1991 eine Kleintierpraxis in Krems an der Donau mit den Schwerpunkten Allgemeinmedizin und Verhaltensmedizin. In Büchern, Vorträgen, Seminaren und Zeitschriftenbeiträgen gibt sie ihr Wissen weiter.

Website // Bücher für Katzenbesitzer

 

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

  1. Andreas Härtel 16. August 2016 at 21:39 - Antworten

    Es sind viele Dinge richtig beschrieben – muss ich zugeben. Allerdings wurde die Stresssituation zu gering in den Vordergrund gestellt. Eine bereits separierte Katze sollte nach der ihr selbst angemessenen Zeit festlgen, wann sie wieder in die Gruppe möchte.
    Angefangen wird mit kleinen Besuchen in den alten Räumlichkeiten, wenn die anderen Katzen ausgesperrt sind. Die „gemobbte Katze“ sollte täglich und alleine ca. 30 – 60 Minuten in das alte Umfeld eingeführt werden.
    Nach geraumer Zeit, und das entscheidet die Katze selber wenn sie ihren Mut wiedergefunden hat, gehts langsam unter Aufsicht in die Gruppe zurück.
    Man sollte sich dabei ganz viel Zeit lassen und nichts überstürzen.

    DAS sind meine Feststellungen in dieser Situation.
    Vertrauen Sie mir. Wer seine Tiere kennt, wird mir zustimmen.

Schreibe einen Kommentar

*