Teil 5: Mit genügend Ressourcen im Revier Konflikten vorbeugen

Eingestellt am Aug 6 2016 - 6:00pm von Feliway

Eure Miezen leben mit Artgenossen zusammen? Toll, wenn sie Sozialpartner zum Kuscheln und Spielen haben. Beachtet, gerade bei reiner Wohnungshaltung, jedoch einige Dinge, damit es aufgrund des begrenzten Platzes nicht zu Konflikten zwischen den Vierbeinern kommt. Hier möchten wir euch einige Tipps mit auf den Weg geben, um Konflikten vorzubeugen und damit den Katzen ein möglichst harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen.

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Foto: Sabine Schroll

Die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten

Hier ist weniger die Quadratmeterfläche ausschlaggebend als die Einrichtung der Wohnung, die am Ende das Raumangebot für die Katzen ausmacht. Ein wenig ist dies natürlich auch abhängig vom Charakter der Stubentiger und ein Stück weit kann man begrenzte Wohnfläche auch durch Beschäftigung ausgleichen. Für einen Mehrkatzenhaushalt sollten den Katzen jedoch immer mindestens zwei Räume zur Verfügung stehen, die auch beide genutzt werden dürfen. Das bietet den Vierbeinern Rückzugsmöglichkeiten und sollte es mal Streit geben, hat man so auch die Option, die beiden räumlich voneinander zu trennen.

Ansonsten ist es für die Katzen immer positiv, wenn sie neben der Grundfläche auch die Räume in der Höhe nutzen können. Soll heißen, mit Catwalks, Regalen, erhöhten Aussichtsplattformen etc. schafft man viel Lebensqualität für die Katzen und unterstützt die Bedürfnisse, die sie dahingehend haben. Dies wiederum vermeidet die Bildung von Konflikten.

Die Ressourcen für die Grundbedürfnisse

Essen, Trinken, Schlafen und ihr Geschäft verrichten muss jede Katze. Und hier ist es wie bei uns Menschen auch: Muss man sich in einer Gruppe zu wenig davon zu oft oder zu lange teilen, führt dies früher oder später zu Stresssituationen. Deswegen beugt man in diesem Punkt am besten Konflikten vor, wenn man den Vierbeinern einen Überfluss dieser Ressourcen anbietet.

Prinzipiell geht man von mind. 1  Toilette/Napf/Schlafplatz pro Katze/ plus 1 mehr aus, die nicht direkt neben denen der anderen Katzen stehen sollten.

Vor allem das in diesem Artikel beschriebene Blockieren von Wegen umgeht man mit diesem Überangebot.

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Foto: Sabine Schroll

Orte zum Schlafen und für den Rückzug

Auch wenn die Vierbeiner zusammen wohnen und sich per se erstmal gut verstehen, brauchen sie ihre Zeit für sich. Die wird meist zum Schlafen oder Ruhen genutzt und hier sind die Vorlieben ganz verschieden. Den meisten Stubentigern kann man allerdings mit höhlenartigen und/oder erhöhten Ruheplätzen eine Freude machen. Damit es hier keinen Streit gibt, sollten von diesen Ruheplätzen möglichst viele in der ganzen Wohnung verteilt sein. Schlaf tut gut, entstresst und Katzen brauchen ganz besonders viel davon, weshalb man ihnen diesen auch gönnen sollte.

Im besten Falle sind diese Plätze kuschlig warm und bieten der Katze die Möglichkeit, aus diesem Versteck heraus zu beobachten – sind also etwas erhöht. Manche Katzen halten sich auch unter der Couch auf, wobei das in vielen Fällen eher ein Notbehelf ist, da sonst keine adäquaten Plätze zur Verfügung stehen. Wenn dann noch Trubel in der Wohnung herrscht, ist an Entspannen kaum zu denken, was wiederum zu Stresssituationen führen kann. Herrschen schon Konflikte zwischen den Katzen, kann ein solches Versteck außerdem dazu führen, dass die konfliktsuchende Katze den defensiven Vierbeiner in die Ecke drängt.

Das stille Örtchen

Wer bei uns schon etwas länger mit liest, weiß Bescheid. Grundsätzlich lautet die Faustregel, so viele Toiletten wie Katzen im Haushalt leben – plus eine mehr. Ab einer bestimmten Anzahl Katzen ist dies allerdings kaum noch machbar, weshalb man generell und hier besonders die Toilette an sich optimieren sollte. Viele Katzentoiletten sind schlichtweg zu klein für beliebte Katzenrassen wie z.B. Norweger. Für die Vierbeiner sind besonders große Toiletten gefühlt länger sauber, was auch das Teilen dieser Ressource mit einer anderen Katze wesentlich einfacher macht. Von Toiletten mit Deckel ist generell abzuraten, da das dem natürlichen Verhalten von Katzen völlig widerspricht, auch wenn es für uns Menschen erstmal praktischer ist.

Auch der Standort der Toiletten ist sehr wichtig – im Mehrkatzenhaushalt noch mehr als bei Einzelkatzen. Während der Standort generell ruhig und immer zugänglich sein sollte, ist im Mehrkatzenhaushalt noch relevant, dass der Zugang zur Toilette keine Katze dazu animiert, Verfolgungsjagden zu starten, weil man dort so schön auflauern kann (hier sind auch noch mal die Toiletten mit Deckel zu nennen, die dies schon von der Bauweise leider hergeben). Ist eine solche Situation gegeben, veranlasst das einige sensible Katzen dazu, ihr Geschäft einfach woanders zu verrichten – in unseren Augen also unsauber zu werden.

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Foto: Sabine Schroll

Futter- und Trinkplätze

Auch hier gilt: Überfluss ist besser, damit es keine Streitigkeiten oder Futterneid gibt. Am besten wäre es, den Vierbeinern über den Tag verteilt 10 bis 20 kleine Portionen zu geben, da das ihrem natürlichen Fressverhalten entspricht – und dies an verschiedenen Futterplätzen. Oft ist es aber so, dass die Vierbeiner nur zweimal am Tag etwas bekommen, und dies an einem gemeinsamen Futterplatz. Wenn die Vierbeiner hier einträchtig nebeneinander fressen, muss dies jedoch nicht heißen, dass sie sich gut verstehen. Konflikte aufgrund des Futters werden durch hungrige Katzen gerne auch mal vor den Fütterungszeiten oder morgens ausgetragen. Neben getrennten Futterstellen wäre die Alternative hier zum Beispiel ein programmierbarer Futternapf, der sich so einrichten lässt, dass er sich nur für eine bestimmte Katze öffnet.

Wasser sollte den Vierbeinern ebenfalls an mehreren Stellen angeboten werden, um Streitigkeiten zu vermeiden. Auch bevorzugen einige Katzen bewegtes Wasser, weshalb sie sich neben den normalen Wassernäpfen auch über einen Trinkbrunnen freuen.

Auslauf und Beschäftigung

Auch Spielen gilt als Ressource und in einem Mehrkatzenhaushalt haben wir als Menschen ebenso die Verpflichtung, die Vierbeiner zu unterhalten wie im Zusammenleben mit einer Einzelkatze. Abwechslung ist gerade bei Wohnungskatzen sehr wichtig und neben dem Spiel miteinander trägt auch das Spiel mit uns Menschen zum Wohlbefinden der Stubentiger bei.

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Foto: Sabine Schroll

Die Beschäftigung sollte dabei auf jeden Vierbeiner und seine Vorlieben zugeschnitten sein und gerade Jagdspiele sollten mit jeder Katze einzeln stattfinden, da Katzen auch nicht gemeinsam jagen. Das Einzelspiel entspricht hingegen ihrem natürlichen Verhalten und verhindert Frust, wenn eine Katze beim „Beutefang“ den Kürzeren zieht. Neben Jagdspielen, die eher zum Auspowern beitragen, lieben die meisten Katzen auch Futterspiele oder Intelligenzspiele, bei denen sie etwas arbeiten müssen, um an die Belohnung zu kommen. So genannte Fummelbretter sind beispielsweise sehr günstig selbst zu bauen und man kann den Vierbeinern immer wieder Neues bieten. Clicker-Training, welches auch gut zur Erziehung genutzt werden kann, bietet sich ebenfalls an, um die Vierbeiner zu beschäftigen und ihnen mit positiver Verstärkung auch noch etwas beizubringen.

Haben die Katzen die Möglichkeit für Freilauf, ist dies natürlich immer dem Wohlbefinden zuträglich. Hier muss es gar nicht immer der riesige Garten sein. Auch ein Balkon oder eine warme Fensterbank lieben die meisten Vierbeiner vor allem bei Sonne sehr. Problematisch kann der Einsatz von einer Katzenklappe sein. Die ist ein ganz klarer Punkt für Blockieren durch eine mobbende Katze, die durchaus auch eine Nachbarkatze sein kann. Auch gelangen so immer wieder fremde Katzen in Häuser. Das wiederum kann dazu führen, dass die gemobbte Katze im Haus mit dem Harnmarkieren anfängt. Wir empfehlen deshalb hier ganz klar eine programmierte Katzenklappe, die nur durch einen Mikrochip für eure Katzen geöffnet wird.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich Konflikte zwar nicht immer vermeiden lassen, man jedoch viel dafür tun kann, damit sie gar nicht erst entstehen. Im letzten Teil unserer Serie zeigen wir euch einige Lösungsansätze, falls es bei euch Stress zwischen den Stubentigern gibt.

Zu den anderen Artikeln der Reihe “ Streit zwischen Katzen“

Teil 1: Wer passt zu wem?

Teil 2: Die optimale Zusammenführung

Teil 3: Ausdrucksverhalten bei Konflikten

Teil 4: Freunde oder Rivalen? Verhalten deuten bei Katzen

Teil 5: Mit genügend Ressourcen im Revier Konflikten vorbeugen

Teil 6: Streit zwischen Katzen – Was tun?

 


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Sabine-Schroll

Foto: Kronenzeitung / Chris Koller

Die Beitragsserie entstand in Zusammenarbeit mit Sabine Schroll, geboren 1964, hat in Wien Tiermedizin studiert und betreibt seit 1991 eine Kleintierpraxis in Krems an der Donau mit den Schwerpunkten Allgemeinmedizin und Verhaltensmedizin. In Büchern, Vorträgen, Seminaren und Zeitschriftenbeiträgen gibt sie ihr Wissen weiter.

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Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

  1. Sabine Jeschke 10. August 2016 at 20:22 - Antworten

    im grossen und ganzen geh ich ja konform, aber jede katze ne toilette auf 55 qm gehn einfach nicht, hatte 4, ein kater, 3 mädels, null problem, man muss sich halt die mühe machen, am tag bis zu 4-5mal das klöchen saubermachen,, slebst mein poldi hatte keine probleme auf die toilette der damen zu gehen!

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