Katzenkindergarten – und man kann sie doch erziehen? (Teil 1)

Eingestellt am Jun 30 2017 - 9:00am von Feliway

Schon öfter haben wir hier auf dem Blog-Beiträge veröffentlicht, die mit Sabine Schroll entstanden sind – eine auf Verhaltensmedizin spezialisierte Tierärztin. Vor kurzem ist ihr neues Buch erschienen, das sich dem Thema Katzenkindergarten widmet, und sehr praktisch und mit vielen tollen Tipps erklärt, wie ihr durch Erziehung eine gemeinsame Verständigungsebene zwischen euch und euren Vierbeinern schafft. In vier Blogbeiträgen möchten wir euch in den nächsten Wochen einen kleinen Einblick in das Buch verschaffen und euch erste Übungen an die Hand geben.

Die Mär von der Unerziehbarkeit

Katzen gelten als sehr freiheitsliebend und eigensinnig. Im Gegensatz zu Hunden, denen wir wie selbstverständlich schon als Welpen Erziehung zukommen lassen, werden Katzen auch heute noch als eher unerziehbar angesehen. Und dass, obwohl sie im Allgemeinen sehr gerne lernen. Betrachtet man Erziehung auch als Lernen, Lehren und Kümmern, und nicht als uneingeschränkten Gehorsam mit dem Ziel, Dinge nicht zu tun, so ist das mit der Erziehung ohne Weiteres auch auf Stubentiger anwendbar.

Sie hilft den Vierbeinern uns besser zu verstehen und mit uns zu kommunizieren. Gerade für sensible Katzengemüter ist es essentiell wichtig, wenn wir ihnen mehr psychische Robustheit und Flexibilität geben. Im Zusammenleben mit uns gibt es an die Katze Anforderungen, für die sie von Natur aus und durch die Katzenmutter nicht gewappnet ist, da sie keine Möglichkeit hat, sich diese Informationen anzueignen. Wenn wir der Katze nun die Möglichkeit geben, sich diese Informationen anzueignen, hilft es ihr ungemein, entspannt, glücklich und stressfrei mit uns zusammenzuleben.

Dies fängt bei solch kleinen Dingen wie das Benutzen der Transportbox, der Fellpflege oder der Gabe von Medikamenten an. Solche Situationen sind für die Vierbeiner erstmal potenziell bedrohlich und können im schlimmsten Fall einen großen Knacks im Vertrauen zu uns und eine Angststörung bei den sensiblen Tieren hinterlassen. Auch lässt sich durch Erziehung unerwünschtes Verhalten vermeiden und kanalisieren, denn wie wir wissen, lernen Katzen sehr schnell ans Ziel zu kommen, wenn sie etwas von uns möchten – und das nicht immer so, wie wir uns das wünschen würden. Zu guter Letzt stärkt die Erziehung auch die Beziehung zu uns und hilft den Vierbeinern, uns mehr zu vertrauen.

Was das Katzenkind nicht lernt…

Grundsätzlich ist es so, dass es durch die hohe Lernfähigkeit der Vierbeiner ratsam ist, möglichst früh mit der Erziehung zu beginnen. Denn auch nicht erwünschte Dinge werden sehr schnell erlernt und je eingeschliffener die Gewohnheiten sind, desto schwieriger sind sie wieder zu ändern. Der Lernprozess wird dabei im besten Falle durch positive Bestärkung begleitet. Bestrafung sollte nicht eingesetzt werden, denn das einzige, was selbiges bei Katzen erzeugt, ist Angst. Da Katzen unsere Sprache nicht sprechen, können sie die Bestrafung nicht direkt einem Fehlverhalten verknüpfen. Dies hemmt den Lernprozess und schädigt die Beziehung zu uns.

Die größte Herausforderung für uns bei der Katzenerziehung ist vermutlich jedoch die Ausdauer der Stubentiger. Sie können sehr beharrlich sein und das stellt den erziehenden Menschen nicht selten auf eine Geduldsprobe. Wie bei Kindern auch ist die große Kunst des Erziehens also, diese Ausdauer zu nutzen und durch Alternativangebote zum gewünschten Verhalten hin zu lenken.

Und nun zur Praxis

Es gibt einige Basisübungen, mit denen ihr direkt in die Erziehung einsteigen könnt – und das im besten Falle direkt, wenn das Katzenkind bzw. euer neuer Mitbewohner bei euch eingezogen ist. Als Grundlage bieten sich hier Übungen an, die sich aus dem Clickertraining ableiten. Das Nasen-Target ist die einfachste aller Übungen und dient als Grundlage für alle anderen Übungen. Es nutzt ein natürliches Verhalten von Katzen aus: Dinge – in dem Fall unseren Finger – mit der Nase zu berühren. Die Übungssequenzen sind sehr kurz.

Der ausgestreckte Zeigefinger wird auf Katzenhöhe ca. 5 bis 10 cm vor die Katzennase gehalten. Stupst der Stubentiger dann mit der Nase an den Finger, schnalzt ihr leise mit der Zunge und belohnt euren Vierbeiner. Es gibt natürlich auch Clicker für die Hosentasche, aber zum effektiven Üben sollte man das verknüpfte Geräusch immer dabei haben und deshalb bietet sich der „Zungenclick“ hier an. Wichtig ist hierbei, dass ihr den Click nur in Verbindung bzw. als Ersatz mit einer physischen Belohnung einsetzt, damit es auch nur diese eine Bedeutung der positiven Rückmeldung für den Stubentiger hat.

Für den Anfang ist es außerdem zwingend nötig, dass auf den Zungenclick eine echte Belohnung wie zum Beispiel ein Leckerli oder ein kurzes Spielen von 20-30 Sekunden folgt, damit eure Katze lernt, den Click damit zu verknüpfen.

Das Nasen-Target wird so lange durchgeführt, wie der Vierbeiner Interesse hat. Versucht die Katze anders an die Belohnung zu kommen oder wendet sich ab, macht ihr eine Pause oder wechselt zur nächsten Übung bis die Motivation wieder da ist.

Nächste Woche geht es dann weiter mit dem Thema „Wie lernen Katzen?“.


Sabine-Schroll Foto: Sabine Schroll

Die Beitragsserie entstand in Zusammenarbeit mit Sabine Schroll, Tierärztin mit Spezialisierung auf Verhaltensmedizin, arbeitet in einer reinen Katzenpraxis in Österreich.

Website // Zum Buch „Katzenkindergarten“

 

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