Beschäftigung: Auch ein Stubentiger braucht sie (Teil 3)

Eingestellt am Jul 27 2017 - 4:00pm von Feliway

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Katzen sich selbst beschäftigen können und nicht wie Hunde viel Beschäftigung durch ihre Menschen brauchen. Wenn die Katze Spielkameraden und Freigang hat, mag dies zu einem gewissen Teil auch stimmen, aber gerade bei Wohnungskatzen, die nicht die Möglichkeit haben, sich in der Natur auszutoben, ist dies nicht der Fall und führt mitunter auch zu Problemen im Zusammenleben mit uns und sogar mit den vorhandenen Artgenossen im Mehrkatzenhaushalt. Denn dann reichen ein Kratzbaum und ein paar Streicheleinheiten am Abend nur selten aus.

Autonomes Spielen

Keineswegs muss man den lieben langen Tag für die Vierbeiner den Animateur spielen, denn die meisten Katzen verschlafen sowieso den Großteil des Tages. 😉 Aber gerade Jungkatzen benötigen Auslastung und einen Teil davon kann man natürlich auch dadurch abfedern, in dem man ihnen Möglichkeiten bietet, sich selbst zu beschäftigen.

Eine Herangehensweise bietet die Fütterung. Meist läuft es so ab, dass der Katze zwei oder drei Mahlzeiten am Tag angeboten werden, für die sie nichts tun muss. Das ist für uns und die Katze zwar bequem, allerdings sind Katzen eigentlich sogenannte „Snackfresser“. Das bedeutet, dass sie 10 bis 20 kleine Mahlzeiten über alle Tages- und Nachtabschnitte hinweg bevorzugen – so, wie das auch in der Natur wäre, wenn die Katze zum Beispiel noch auf das Fangen von Mäusen angewiesen wäre. Hinzu käme noch die Zeit für das Jagen, was die Katze einen Großteil ihres Tages beschäftigen würde. Stellt man also die Fütterung ein Stück weit auf diese Bedürfnisse um und bietet der Katze zumindest einen Teil ihrer Tagesration an, in dem sie etwas dafür tun muss, beugt man nicht nur Problemen wie Betteln oder übrig gebliebenem Futter vor, sondern gibt dem Vierbeiner auch noch ein Stück weit die Auslastung, die eine Katze benötigt. Das ist ein toller Weg, um Langeweile bei Wohnungskatzen vorzubeugen und nicht jeden Morgen um 4 von einem quängelnden Vierbeiner geweckt zu werden.

Beim Wie muss man in der Regel etwas herumprobieren, denn nicht alles, was es an Möglichkeiten gibt, wird von jeder Katze gleichermaßen als toll empfunden. Neben Rohfleischstücken (kein Schwein!), die gerne auch mal so groß sein dürfen, dass die Katze sie selbst komplett zerkleinern muss, bietet sich das Angebot von Futter vielfältiger Konsistenz, Geschmacksrichtungen und Texturen an. Außerdem ist ist das sogenannte Activity Feeding ein guter Weg. Hierbei werden „Werkzeuge“ wie Fummelbretter o.ä. genutzt, anhand derer sich die Katze ihr Futter erarbeiten muss (eine vielfältige Vorschlagsliste findet ihr in dem Buch „Katzenkindergarten“ von Sabine Schroll).

Neben der Arbeit für Futter kann man den Vierbeinern auch andere Sachen anbieten, mit denen sie sich alleine beschäftigen können. Hier sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt, denn es gibt sehr viel, was Katzen gerne tun: Dinge herumtragen, an Dingen riechen, Dinge zerstören, Dinge herunterwerfen, an Dingen nagen oder mit Wasser spielen. Was sich anhört wie der Alptraum eines jeden Katzenbesitzers mit Kabeln, Vasen oder Blumentöpfen ist eigentlich gar nicht so schlimm, wenn man den Stubentigern Alternativen für das Ausleben dieses natürlichen Verhaltens anbietet. Zum Herumtragen bieten sich zum Beispiel kleine Beuteattrappen, den Geruchssinn beschäftigen Naturmaterialien, Federn oder Baldrian, zum Kaputtmachen kann man Küchenrolle oder Papier anbieten und zum Benagen tut’s auch mal  Trockenfleisch oder eine Kaustange für Hunde. 

Interaktives und soziales Spiel

Neben dem autonomen Spiel ist auch interaktives und soziales Spielen wichtig, wenn man einen ausgeglichenen Vierbeiner zuhause haben möchte. Katzen sind geborene Jäger, weshalb Jagdspiele immens wichtig für die Zufriedenheit vor allem von Wohnungskatzen sind. Damit gerade die Rabauken unter den Vierbeinern ihren Jagdtrieb nicht auf Partnerkatzen oder euch richten, ist es wichtig, ihn frühzeitig erzieherisch in geordnete Bahnen zu lenken.

Wichtig sind hier vor allem zwei Dinge: Das Spielzeug sollte nicht dauerhaft verfügbar und vor allem katzengerecht sein: Die Größe einer Maus oder eines Schmetterlings in Verbindung mit Naturmaterialien (Federn, Fell, Leder…) und Geräuschen (raschelnd, knisternd…) bilden die perfekte Kombination. Außerdem sollte es gut durch euch kontrollierbar sein und an einer Schnur, Angel oder einem elastischen Draht befestigt sein, um das Gefühl einer echten Beute beizubehalten und euch vor den scharfen Katzenkrallen zu schützen. Natürlich könnt ihr die Spielzeuge auch selbst herstellen und das kommt auch eurer Katze entgegen, denn es sollten mehrere vorhanden sein, damit auch hier Abwechslung für den Stubentiger herrscht.


Sabine-Schroll Foto: Sabine Schroll

Die Beitragsserie entstand in Zusammenarbeit mit Sabine Schroll, Tierärztin mit Spezialisierung auf Verhaltensmedizin, arbeitet in einer reinen Katzenpraxis in Österreich.

Website // Zum Buch „Katzenkindergarten“

 

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