Teil 4: Freunde oder Rivalen? Verhalten deuten bei Katzen

Eingestellt am Jul 27 2016 - 6:00pm von Feliway

Im letzten Teil unserer Serie sind wir auf die Körpersprache von Katzen eingegangen, die sie als Ausdrucksmittel verwenden, um sich ihrer Umgebung mitzuteilen. Heute möchten wir euch konkret zeigen, welches Verhalten Katzen in der Katzengruppe zeigen, wenn sie sich gut verstehen bzw. woran ihr mögliche Konflikte erkennen könnt.

Vorweg sei gesagt: Auch Katzen, die sich sehr gut verstehen, verbringen nicht den kompletten Tag miteinander sondern genießen auch Zeit allein.

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Foto: Sabine Schroll

Innige Freundschaft

erkennt ihr unter anderem an folgenden Dingen:

  • Die Katzen begrüßen sich, putzen sich gegenseitig, liegen gerne und oft zusammen auf ihren Ruheplätzen und suchen auch ansonsten sehr häufig den Kontakt zueinander.
  • Ist eine Katze nicht da, weil sie beispielsweise zum Tierarzt musste, sucht die Zweitkatze nach ihr.
  • Sie spielen ausgiebig miteinander.
  • Wenn es mal etwas ruppiger zugeht, vertragen sie sich schnell wieder und suchen nach kurzer Zeit auch wieder den Kontakt zueinander.
  • Sie streiten sich nicht um Ressourcen wie Toiletten und Futter, sondern finden Lösungen, diese gemeinsam zu nutzen.

Das Zusammenleben in einer WG

Verstehen sich die Katzen gut und wohnen im Sinne einer WG zusammen, erkennt ihr das zum Beispiel an folgendem Verhalten:

  • Die Katzen suchen durchaus den Kontakt zueinander und begrüßen sich auch kurz durch Blickkontakt oder Schnuppern.
  • Die Vierbeiner meiden Begegnungen nicht, auch wenn sie ansonsten eher höflich distanziert miteinander umgehen.
  • Sie liegen nicht eng aneinander gekuschelt im Korb, aber durchaus im gegenseitigen Distanzbereich, also etwa ein bis zwei Meter voneinander entfernt.
  • Intensives gegenseitiges Putzen findet nicht statt, aber gelegentliches Belecken.
  • Auch zusammen gespielt wird eher selten.

Wenn Katzen nebeneinander am Futternapf sitzen, ist das nicht unbedingt ein Zeichen für eine gute Beziehung, sondern in vielen Fällen einfach dem Umstand geschuldet, dass es nur eine Futterstelle gibt, die sich die Vierbeiner teilen müssen.

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Foto: Sabine Schroll

Probleme im Mehrkatzenhaushalt

Verstehen sich die Vierbeiner nicht so gut, erkennt man dies natürlich an offensichtlichen Symptomen wie Kämpfen, Knurren und offen ausgetragenen Aggressionen untereinander. Es gibt allerdings auch eine ganze Reihe von nicht ganz so offensichtlichen Merkmalen, die auf eine gestörte Beziehung hinweisen.

Katzen, die bedrohend auf andere Katzen einwirken, können unter anderem folgendes Verhalten zeigen:

  • BLOCKIEREN: Der Vierbeiner sitzt an Zugängen, Wegkreuzungen oder vor der Toilette und blockiert so den Zugang zu wichtigen Ressourcen oder bevorzugten Orten der anderen Katze.
  • VERSCHEUCHEN/ JAGEN Oder er vertreibt die Zweitkatze direkt von ihren Sitzplätzen bzw. attackiert sie an Orten, an denen sie keine Ausweichmöglichkeit hat.
  • ANSTARREN: Die Katze starrt die Zweitkatze unverholen über einen längeren Zeitraum und auch über größere Entfernung an.
  • DIREKTE ANGRIFFE: Die Beschwichtigungssignale und der Wille der anderen Katze, aus dem Weg zu gehen, wird nicht respektiert. Neben der subtilen Bedrohung erfolgen irgendwann auch direkte Angriffe.
  • KÖRPERLICHE SIGNALE Die Katze zeigt körperliche Signale wie häufiges Schwanzschlagen, angelegte Ohren etc., wie wir sie im Artikel über das Ausdrucksverhalten beschrieben haben.
  • HARNMARKIEREN ist ebenfalls möglich.
Foto: Sabine Schroll

Foto: Sabine Schroll

Katzen, die unter einer anderen Katze leiden müssen, erkennt man oft an folgendem Verhalten:

  • RÜCKZUG: Die Katze zieht sich immer mehr zurück. Das zeigt sich zum Beispiel beim Spielen. Es wird nur noch gespielt, wenn sie weiß, dass die bedrohende Katze nicht in der Nähe ist. Auch grenzt sie ihren Bewegungsraum immer mehr ein und bleibt irgendwann nur noch komplett in einer kleinen Rückzugszone, so sie diese hat. Sind die Menschen anwesend, ist es allerdings auch möglich, dass sich der Vierbeiner dann sicherer fühlt und die Räumlichkeiten mehr nutzt.
  • AGGRESSIONEN: Begegnungen mit der bedrohenden Katze arten für den Vierbeiner in Stress aus. Sie artikuliert sich mit Fauchen und Knurren, erstarrt, ergreift die Flucht oder geht direkt vorsorglich in einen Angriff über.
  • STRESSSYMPTOME Stress bei der bedrohten Katze kann sich auch körperlich oder psychisch äußern. Von Abmagerung, Übergewicht, Blasenentzündung bis hin zu Unsauberkeit oder gesteigertem Putzverhalten ist vieles möglich. Zeigt eine eurer Katzen ein solches Verhalten und lässt sich dies nicht durch den Tierarzt begründen, ist es an der Zeit, die Beziehungen in der Katzengruppe gründlich zu analysieren.

Im nächsten Teil unserer Reihe, zeigen wir euch, wie ihr Konflikten im Mehrkatzenhaushalt vorbeugt.

Zu den anderen Artikeln der Reihe “ Streit zwischen Katzen“

Teil 1: Wer passt zu wem?

Teil 2: Die optimale Zusammenführung

Teil 3: Ausdrucksverhalten bei Konflikten

Teil 4: Freunde oder Rivalen? Verhalten deuten bei Katzen

Teil 5: Mit genügend Ressourcen im Revier Konflikten vorbeugen

Teil 6: Streit zwischen Katzen – Was tun?

 


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Sabine-Schroll

Foto: Kronenzeitung / Chris Koller

Die Beitragsserie entstand in Zusammenarbeit mit Sabine Schroll, geboren 1964, hat in Wien Tiermedizin studiert und betreibt seit 1991 eine Kleintierpraxis in Krems an der Donau mit den Schwerpunkten Allgemeinmedizin und Verhaltensmedizin. In Büchern, Vorträgen, Seminaren und Zeitschriftenbeiträgen gibt sie ihr Wissen weiter.

Website // Bücher für Katzenbesitzer

 

 

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

  1. Miriam 28. Juli 2016 at 21:23 - Antworten

    Bring mir 20 Katzen und 20 sind so verschieden, dass man sie nicht miteinander vergleichen kann.

    Ich hatte eine OKH und einen Burma-Kater – der heute noch lebt. Die beiden haben sich 7 Jahre lang heiss und innig geliebt und sind ständig zusammengeklebt, am Liebsten, wenn ich da war auf mir…g

    Dann wurde die OKH sehr, sehr krank und hat sich komisch bis agressiv gegenüber dem Kater benommen.

    Eines ist auffällig, dass beide sehr nachtragend sind und die Beziehung ab dann nie mehr wieder so wurde wie vorher.

    Allerdings, war ich für beide ihr Licht, um das sich alles drehte. Denn obwohl sie nichts mehr miteinander zu tun haben wollten, ausser ihren Frieden, wenn irgend möglich, wenn ich nicht da war, war dennoch der Grossteil ausser Kraft gesetzt, wenn ich da war.

    D.h. heisst, dass dann trotzdem beide auf mir, miteinander gelegen sind und vor allem der Kater hat sie dann noch immer abgeschleckt und geputzt – sie nicht mehr so, oder nur noch zögerlich. Auch wenn es ums Spielen ging, ist sie trotzdem immer an vorderster Front dabei gewesen, weil einfach ich da war und die Bindung so stark zu mir war.

    Will sagen, stimmt nicht immer und für jede Katze – kommt auch sehr auf die enge, oder nicht so enge Beziehung zum Menschen drauf an.

    LG

    Miriam

    • Feliway 9. August 2016 at 11:48 - Antworten

      Das stimmt natürlich. Man muss neben den generellen Dingen immer auch Einzelfaktoren beachten. Deswegen kann das, was wir hier schreiben auch nur eine Orientierung sein.

  2. Lees Sibylle 30. Juli 2016 at 8:01 - Antworten

    genau diese Erfahrung haben wir auch gemacht und es wurde immer schlimmer, das gute am ganzen war , das genügend Platz war, so das die Katzen sich aus dem Weg gehen konnten.
    Jetzt möchte ich natürlich wieder eine Katze aus dem Tierschutz nehmen ( da mein geliebter Kalle verstorben ist ) und die Organisationen vermitteln nur 2 Katzen. Da muss ich mich fragen wieso? und wäre es nicht sinnvoll wenigstens eine Katze in gute Hände zu vermitteln! GlG Sibylle

    • MEL 31. Juli 2016 at 21:49 - Antworten

      Die Vereine vermitteln auch Einzelkatzen, zumindest bei den ausgewachsenen. Katzenkinder hingegen werden oft nur noch zu zweit abgegeben, was ich persönlich auch gut finde. Katzen sind sozialer als man denkt.

    • Feliway 9. August 2016 at 11:46 - Antworten

      Hallo Sibylle, was Mel sagt, stimmt schon. Es gibt durchaus Katzen, die mit anderen nicht kompatibel sind, zum Beispiel, weil sie aus langer Einzelhaltung kommen. Du könntest versuchen, so eine zu finden. Ansonsten unterstützen wir auch die Mehrkatzenhaltung, da es für die Vierbeiner einfach besser ist, wenn sie noch einen Artgenossen zum Spielen, Toben und Schmusen haben. Und für uns Menschen ist doppelt so viel Katzenglück ja auch toll. 😉

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